Wer bist du, wenn du niemand sein musst?
Eine beängstigende Frage. Auf den ersten Blick. Und dann: was für eine Befreiung.
Es gibt diese Fragen, die einen nicht mehr loslassen. Sie stoßen einen Prozess an, wirbeln uns auf: Wer bist du, wenn du niemand sein musst? war und ist eine dieser Fragen für mich.
Als ich sie vor vielen Jahren zum ersten Mal las, versetzte sie mich in Aufruhr. Etwas in mir wusste, dass es unbequem werden könnte, eine Antwort darauf finden zu wollen. Ich war so vieles. Das musste ich doch alles sein. Ich hatte keine Wahl. Oder?
Die Angst vor dem Nichts
Was, wenn hinter all dem, als das ich mich definierte, ein Nichts lauerte? Wer bin ich, wenn ich nicht Mama bin, frisch geschieden, Vollzeit arbeitend, Freundin, Tochter ….
Wer bin ich hinter den Rollen, die ich mir ausgesucht habe? Ich kam da nicht weiter. Sehr klar definiert war das, was ich war. Ich wollte das nicht loslassen. Nicht einmal als Gedankenspiel.
Das war natürlich ein Trick meines inneren Systems. Bekanntes gibt bekanntlich Sicherheit.
Die Frage schlägt Wurzeln
Aber die Frage nahm sich ihren Raum. Einmal gepflanzt konnte ich nichts dagegen tun, dass sie in mir Wurzeln schlug.
Wenn ich still saß, hörte ich sie flüstern: "Wer bist du, wenn du nichts sein musst?" In einem dieser stillen Momente wurde mir klar: Ok, genau jetzt muss ich nichts sein. Ich sitze hier nur. Wer bin ich denn dann?
Ich lauschte. Da war viel Schweigen. Genau das Schweigen, vor dem ich mich gefürchtet hatte.
In mir war das Schweigen, vor dem ich mich gefürchtet hatte.
Die Erkenntnis
Warum machte mir das Schweigen Angst? Während ich so saß, bohrte sich ganz vorsichtig eine Erkenntnis ein Loch in meinen Konzepte-Deckel.
Ja, ich bin Mutter, weil man eine Frau, die Kinder hat, so nennt. Ja, ich bin Ehefrau, weil das der Begriff für eine verheiratete Frau ist. Und, nein: ich BIN nicht Managerin, es ist nur meine derzeitige Berufsbezeichnung.
Hinter all dem bin ich so viel mehr. Da bin ich die, die ich bin, wenn ich niemand sein muss. Da gibt es einen großen Raum in mir, den ich gestalten darf.
Der innere Raum
Ich fing an zu schreiben. Alles durfte kommen:
Wenn ich niemand sein muss, bin ich die, die durch die Wärme tanzt. Ich bin die, die die Stille liebt UND den lebensfreudigen Trubel. Ich bin die, die Zeit für sich braucht. Ziemlich viel sogar. Und Zeit für Familie und Freunde. Ich bin eine Löwin für meine Kinder. Ich bin die, die immer wieder versucht, ihr Glück über ihre Zweifel zu stellen. Ich bin die, die schöne Momente bewusst gestaltet. Ich bin die, die das Schöne in der Seele der Menschen sieht.
Ich bin die, die keinen Tag ohne Tiere und Natur sein möchte. Ich bin die, die sich nicht einsperren lässt in Büroräume. Ich bin die, die tiefe Freude in das Leben von Menschen bringen möchte. Ich bin die, die Regeln infrage stellt. Die, die es liebt kreativ zu denken und zu gestalten. Die, die Schönes liebt. Ich bin die, die in einem Leben voller Routinen ersticken würde. Ich bin die, die es liebt, große Träume zu haben und ihnen zu folgen.
Die Aufforderung
Als ich mich einmal darauf eingelassen hatte, meinem Inneren zu lauschen, wollte da verdammt viel raus. Schön war das. Und es war auch eine Aufforderung, genauer hinzusehen.
Passte das, was ich lebte, zu dem, was mich in meinem tiefsten Inneren ausmacht?
Dieser Job passte nicht zu dem, was mich in meinem tiefsten Inneren ausmachte.
Der Beginn der Heldinnenreise
Die Antwort darauf war der Beginn einer meiner Heldinnenreisen. (Wie viele Heldinnenreisen unternimmt doch jede einzelne von uns im Laufe ihres Lebens….!)
Zum ersten Mal gab ich mir die Erlaubnis, infrage zu stellen, ob mein Arbeiten in einem großen IT-Konzern zu meinen Werten und Bedürfnissen passte. Noch wichtiger: Ob diese Art des Arbeitens der "Löwin für meine Kinder" in mir entsprach. Das war der erste Schritt meines Abschieds aus meinem Managerjob, auf den ich so lange hingearbeitet hatte und um den mich viele beneideten – und der mir so gar nicht entsprach.
Die befreiende Frage
Wer bin ich, wenn ich niemand sein muss?
Was für eine beängstigende Frage. Auf den ersten Blick. Und dann: was für eine Befreiung. Seither stelle ich sie mir immer wieder. Und darf sie jeden Tag anders beantworten.
Manchmal ist meine Antwort neuerdings: Niemand. Ich bin heute einfach mal niemand und nichts. Ich bin einfach.
Deine Kathrin
#glücküberzweifel #momentesucherin
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